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Obersteuermannslehrgang: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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| colspan="3" | Der Obersteuermannslehrgang war die abschließende fachliche Spitzen- und Führungsqualifikation für Unteroffiziere der Steuermannslaufbahn. Er bildete die Voraussetzung für die Beförderung zum Obersteuermann, der auf kleineren Einheiten und insbesondere auf U-Booten die Funktion des Navigations-Offiziers wahrnahm. In diesem Lehrgang wurden erfahrene Steuermänner (Feldwebel) dazu befähigt, die gesamte nautische und taktische Verantwortung für die Schiffsführung in Vertretung oder Unterstützung des Kommandanten zu übernehmen.
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| colspan="3" | Der Obersteuermannslehrgang war die abschließende fachliche Spitzen- und Führungsqualifikation für Unteroffiziere der Steuermannslaufbahn. Er bildete die Voraussetzung für die Beförderung zum Obersteuermann, der insbesondere auf U-Booten die Funktion des Navigations-Offiziers wahrnahm. Der Lehrgang befähigte erfahrene Steuermänner (Feldwebel), die gesamte nautische und taktische Verantwortung für die Schiffsführung zu übernehmen.
 
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| colspan="3" | Ausbildungsinhalte und Spezialisierung: Der Lehrgang umfasste eine vertiefte Ausbildung in der astronomischen Navigation (Ortung durch Gestirnsmessung), der Funknavigation sowie der Handhabung komplizierter nautischer Instrumente und Rechenverfahren. Ein wesentlicher Teil der Ausbildung war die taktische Manövrierlehre und das Studium internationaler Schifffahrtsgesetze. Der Lehrgang fand zumeist an der Steuermannsschule in Gotenhafen oder an der Marineschule in Kiel statt und dauerte mehrere Monate.
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| Fachbereiche: || colspan="3" | Vertiefte Ausbildung in astronomischer Navigation (Gestirnsmessung), Funknavigation sowie taktischer Manövrierlehre und Schifffahrtsrecht.
 
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| colspan="3" | Führungsanspruch: Neben der nautischen Exzellenz stand die Ausbildung zur „Rechten Hand“ des Kommandanten im Vordergrund. Der angehende Obersteuermann lernte die administrative Verwaltung eines Schiffes, die Führung der Stammrollen und die Organisation des gesamten Brückendienstes. Er wurde darauf vorbereitet, in Gefechtssituationen die Manövrierführung eigenständig zu übernehmen, damit sich der Kommandant auf die Waffenführung konzentrieren konnte.
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| Führungsrolle: || colspan="3" | Ausbildung zur „Rechten Hand“ des Kommandanten. Verantwortung für administrative Verwaltung, Stammrollenführung und Organisation des Brückendienstes.
 
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| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: Mit der Verschärfung der Kriegslage wurden die Lehrgänge zeitlich gestrafft. Am 08.05.1945 waren Absolventen dieses Lehrgangs aufgrund ihrer Navigationskenntnisse in den verminten Gewässern unverzichtbar. Viele Obersteuermänner dienten nach der Kapitulation als nautische Spezialisten im Deutschen Minenräumdienst, da sie als einzige in der Lage waren, die geräumten Wege exakt in die Seekarten einzutragen und so die Sicherheit der Handelsschifffahrt zu garantieren.
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| Standorte: || colspan="3" | Steuermannsschule Gotenhafen oder Marineschule Kiel; Lehrgangsdauer meist mehrere Monate (gegen Kriegsende zeitlich gestrafft).
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| Kriegsende: || colspan="3" | Unverzichtbar für Navigation in verminten Gewässern. Nach 1945 oft Einsatz im Deutschen Minenräumdienst zur exakten Kartierung geräumter Wege.
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! colspan="3" | Spezifische Merkmale & Besonderheiten
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| Präzisionsnavigation: || colspan="3" | Befähigung zur punktgenauen Positionsbestimmung nach wochenlangen Atlantiküberquerungen ohne Landsicht (essenziell für Treffen mit Versorgungstankern).
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| Gefechtsunterstützung: || colspan="3" | Übernahme der Manövrierführung im Gefecht, um den Kommandanten für die Waffenführung (Sehrohr) zu entlasten.
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| Aufstiegschance: || colspan="3" | Absolventen mit Auszeichnung konnten zum „Sonderführer“ ernannt oder für den Kommandanten-Lehrgang für ehemalige Unteroffiziere vorgeschlagen werden.
 
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| colspan="3" | Der „Navigations-Offizier“ an Bord: Auf einem U-Boot besetzte der Obersteuermann eine der wichtigsten Positionen außerhalb der Offizierslaufbahn. Er war für die Koppelnavigation während der tagelangen Unterwasserfahrten verantwortlich. Der Lehrgang vermittelte ihm die notwendige Präzision, um nach einer Atlantiküberquerung ohne Landsicht den Zielpunkt oder einen Versorger (z. B. ein „Milchkuh“-U-Boot) punktgenau zu finden.
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| Navigations-Offizier: || colspan="3" | Verantwortlich für die Koppelnavigation während tagelanger Unterwasserfahrten und die exakte Führung der Seekarte in der Zentrale.
 
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| colspan="3" | Unterstützung beim Angriff: Während eines Angriffs am Periskop oder über Wasser war der Obersteuermann für das Rechnen der Schussdaten und die Kursüberwachung zuständig. Die im Lehrgang geschulten Fähigkeiten in Trigonometrie und schneller Winkelberechnung waren die Basis für den Erfolg der Torpedofächer.
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| Angriffs-Rechner: || colspan="3" | Unterstützung beim Torpedoschießverfahren durch schnelle Berechnung von Kurswinkeln und Trigonometrie-Daten.
Auswahl zum Kommandanten-Lehrgang: Besonders bewährte Obersteuermänner, die den Lehrgang mit Auszeichnung bestanden hatten, konnten später zum „Sonderführer“ ernannt oder für den Kommandanten-Lehrgang für ehemalige Unteroffiziere vorgeschlagen werden. Damit bildete dieser Lehrgang für Spitzenunteroffiziere eine Brücke zur eigenen Schiffsführung.
 
 
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/ | Invenio Online-Recherche]
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! colspan="3" | Quellenverweise - [https://invenio.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 
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| B.Arch. RM 20 / 912 || colspan="3" | Richtlinien für die Ausbildung der Unteroffiziere der Steuermannslaufbahn (Beinhaltet die detaillierten Lehrpläne für die Ausbildung zum Obersteuermann).
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| BArch RM 20 / 912 || colspan="3" | Richtlinien für die Ausbildung der Unteroffiziere der Steuermannslaufbahn (Lehrpläne für die Ausbildung zum Obersteuermann).
 
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| B.Arch. RM 123 || colspan="3" | Akten der Marineschulen (Dokumentiert die Prüfungsverfahren und die Absolventenlisten der Steuermannsschulen).
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| BArch RM 123 || colspan="3" | Akten der Marineschulen (Prüfungsverfahren und Absolventenlisten der Steuermannsschulen).
 
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| B.Arch. RM 20 / 893 || colspan="3" | Unterlagen des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.) zur personellen Struktur (Belegt die Zuweisung von Obersteuermännern auf Front-U-Boote).
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| BArch RM 20 / 893 || colspan="3" | Unterlagen des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.) zur personellen Struktur (Zuweisung auf Front-U-Boote).
 
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über das Personalwesen und die Fachlaufbahnen).
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| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Personalwesen und Fachlaufbahnen).
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | "Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945".
 
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945. (Übersicht der Laufbahnverordnungen für das nautische Personal).
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| Mulligan, Timothy P. || colspan="3" | "Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945" (Bedeutung der Obersteuermänner für die taktische Überlegenheit).
 
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| Mulligan, Timothy P. || colspan="3" | Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945. (Analyse der fachlichen Bedeutung der Obersteuermänner für die taktische Überlegenheit).
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| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
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Aktuelle Version vom 3. März 2026, 13:20 Uhr

Ausbildung Obersteuermannslehrgang
Der Obersteuermannslehrgang war die abschließende fachliche Spitzen- und Führungsqualifikation für Unteroffiziere der Steuermannslaufbahn. Er bildete die Voraussetzung für die Beförderung zum Obersteuermann, der insbesondere auf U-Booten die Funktion des Navigations-Offiziers wahrnahm. Der Lehrgang befähigte erfahrene Steuermänner (Feldwebel), die gesamte nautische und taktische Verantwortung für die Schiffsführung zu übernehmen.
Historischer Kontext & Organisation
Fachbereiche: Vertiefte Ausbildung in astronomischer Navigation (Gestirnsmessung), Funknavigation sowie taktischer Manövrierlehre und Schifffahrtsrecht.
Führungsrolle: Ausbildung zur „Rechten Hand“ des Kommandanten. Verantwortung für administrative Verwaltung, Stammrollenführung und Organisation des Brückendienstes.
Standorte: Steuermannsschule Gotenhafen oder Marineschule Kiel; Lehrgangsdauer meist mehrere Monate (gegen Kriegsende zeitlich gestrafft).
Kriegsende: Unverzichtbar für Navigation in verminten Gewässern. Nach 1945 oft Einsatz im Deutschen Minenräumdienst zur exakten Kartierung geräumter Wege.
Spezifische Merkmale & Besonderheiten
Präzisionsnavigation: Befähigung zur punktgenauen Positionsbestimmung nach wochenlangen Atlantiküberquerungen ohne Landsicht (essenziell für Treffen mit Versorgungstankern).
Gefechtsunterstützung: Übernahme der Manövrierführung im Gefecht, um den Kommandanten für die Waffenführung (Sehrohr) zu entlasten.
Aufstiegschance: Absolventen mit Auszeichnung konnten zum „Sonderführer“ ernannt oder für den Kommandanten-Lehrgang für ehemalige Unteroffiziere vorgeschlagen werden.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Navigations-Offizier: Verantwortlich für die Koppelnavigation während tagelanger Unterwasserfahrten und die exakte Führung der Seekarte in der Zentrale.
Angriffs-Rechner: Unterstützung beim Torpedoschießverfahren durch schnelle Berechnung von Kurswinkeln und Trigonometrie-Daten.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 20 / 912 Richtlinien für die Ausbildung der Unteroffiziere der Steuermannslaufbahn (Lehrpläne für die Ausbildung zum Obersteuermann).
BArch RM 123 Akten der Marineschulen (Prüfungsverfahren und Absolventenlisten der Steuermannsschulen).
BArch RM 20 / 893 Unterlagen des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.) zur personellen Struktur (Zuweisung auf Front-U-Boote).
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Personalwesen und Fachlaufbahnen).
Hildebrand, Hans H. "Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945".
Mulligan, Timothy P. "Die Männer der deutschen U-Boot-Waffe 1939–1945" (Bedeutung der Obersteuermänner für die taktische Überlegenheit).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132